Wenn ein Transformator im Verkaufsraum oder auf dem Dach eines Einkaufszentrums steht, entscheidet sich die Brandschutzfrage nicht mehr über Abstände. Zwei britische Handelsunternehmen haben daraus eine dauerhafte Festlegung gemacht: Wo der Transformator im Gebäude sitzt, kommt Shell MIDEL 7131 hinein.
Eine Spezifikation statt einer Einzelfallprüfung
Sainsbury’s wurde 1869 von John James Sainsbury in London gegründet und betreibt heute über 1.000 Filialen in Großbritannien. Das Unternehmen hat festgelegt, Shell MIDEL als brandsichere Lösung immer dann einzusetzen, wenn ein Transformator innerhalb einer Filiale oder auf deren Dach steht. Betroffen sind Verteiltransformatoren bis 2 MVA mit einer Oberspannung von 11 kV.
Der zuständige Elektrotechnikleiter beschrieb die Praxis sinngemäß so: Seit mehreren Jahren werde Shell MIDEL 7131 für sämtliche innen aufgestellten Transformatoren der Filialen vorgeschrieben. Seit Transformatoren zunehmend auch auf den Dächern der Märkte errichtet würden, sei die Spezifikation entsprechend erweitert worden und gelte nun ebenso für alle dachmontierten Einheiten. Der Grund sei in beiden Fällen derselbe: das Brandrisiko im Fehlerfall so klein wie möglich zu halten.
Warum die Dachaufstellung ein eigener Fall ist
Bei einem Transformator auf dem Dach kommen mehrere Punkte zusammen, die unter einer Trafostation im Nebengebäude keine Rolle spielen:
- Unterhalb der Aufstellfläche halten sich Menschen auf — Kunden und Beschäftigte.
- Die Rettungswege führen unter der Anlage entlang, nicht daran vorbei.
- Eine Löschanlage auf dem Dach ist aufwendig; das Auffangen austretender Flüssigkeit ebenfalls.
- Die Zugänglichkeit für die Feuerwehr ist schlechter als ebenerdig.
Eine Flüssigkeit mit einem Brennpunkt oberhalb von 300 °C und der Einstufung in die Brandklasse K nach IEC 61100 entschärft diese Punkte an der Wurzel, statt sie durch Zusatztechnik zu kompensieren.
Warum nicht Gießharz
Sainsbury’s steht mit dieser Festlegung nicht allein. Auf dem Dach des Trafford Centre in Manchester steht ein weiteres Beispiel: Dort wurde zunächst eine Gießharzausführung erwogen, die Planer entschieden sich dann aber anders — unter anderem, weil die Anlagen zu hoch ausgefallen wären. Eingebaut wurden stattdessen zwei Einheiten mit je 2 MVA auf Shell MIDEL, die die dortige Filiale von John Lewis versorgen und seit vielen Jahren in Betrieb sind.
Die Bauhöhe ist bei Dach- und Innenaufstellung ein Argument, das in Datenblättern selten auftaucht, in der Planung aber oft den Ausschlag gibt. Gießharztransformatoren brauchen für dieselbe Leistung mehr Luft und mehr Aufbauhöhe. Eine ausführlichere Gegenüberstellung beider Bauarten finden Sie unter Gießharz oder Esterflüssigkeit.
Die Lage im deutschen Einzelhandel
Supermärkte, Fachmärkte und Einkaufszentren stehen hierzulande vor derselben Aufgabe. Die Verkaufsflächen wachsen, die Grundstücke bleiben gleich groß, und die Kälte- sowie Ladetechnik treibt den Leistungsbedarf. Damit rückt die Übergabestation näher an das Gebäude heran oder direkt hinein. Den Rahmen setzt DIN EN 61936-1; Flüssigkeiten der Brandklasse K erlauben dort in vielen Fällen geringere Abstände und den Verzicht auf eine Löschanlage. Wer das Thema einmal in der Musterspezifikation für alle Filialen verankert, spart sich die Diskussion bei jedem einzelnen Bauvorhaben — und vermeidet, dass sie erst in der Abnahme geführt wird.
Für Bestandsfilialen mit mineralölgefüllten Transformatoren bleibt der Weg über das Retrofilling offen. Er lässt sich außerhalb der Öffnungszeiten ausführen und erfordert in der Regel keinen Eingriff in das Gebäude.
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