Zum Inhalt springen

Eisenerzmine Koodaideri: 39 Transformatoren ohne Brandwände

  • von

Bergbaustandorte sind für die Elektrotechnik ein Sonderfall: weite Wege, knapper Platz, hohe Anforderungen an die Verfügbarkeit und eine Umgebung, in der ein Transformatorbrand nicht nur teuer, sondern schwer beherrschbar ist. Ein Eisenerzprojekt in Westaustralien hat diese Punkte über die Isolierflüssigkeit gelöst – und dabei einen erheblichen Teil des Betonbaus eingespart.

Das Projekt

Rio Tinto errichtet in Westaustralien mit Koodaideri die technisch am weitesten entwickelte Eisenerzmine seines Portfolios. Sie ist Teil des unternehmensinternen Programms „Mine of the Future“. Zur Anlage gehören neben der eigentlichen Grube eine neue 220-kV-Übertragungsleitung und 39 Transformatoren mit 33 kV, dazu 166 Kilometer Eisenbahnstrecke, ein Flugplatz, ein Camp und die Straßenanbindung. Der hohe Elektrifizierungsgrad des Standorts verlangte einen anderen Umgang mit dem Transformatorrisiko als bisher üblich.

Vier Randbedingungen, die den Ausschlag geben

  • Abgelegenheit. Entlegene Standorte sind schwer erreichbar; Transport und Wartungseinsätze schlagen überproportional zu Buche.
  • Platz. Fläche ist auf Bergbaustandorten knapp – klassisch aufgestellte Transformatoren brauchen Mindestabstände zu Nachbargebäuden sowie Explosions- und Brandschutzbauwerke.
  • Brandrisiko. Mineralöl als Isolierflüssigkeit brennt im Fehlerfall heftig, richtet in kurzer Zeit großen Schaden an und legt die Stromversorgung lahm.
  • Kosten der Gegenmaßnahmen. Löschanlagen und die zugehörigen Bauwerke können Millionenbeträge kosten und vergrößern die Aufstellfläche deutlich.

Die Entscheidung

Die Projektingenieure schrieben für Koodaideri Shell MIDEL 7131 vor, einen synthetischen Ester, der bis 316 °C brandsicher ist – gegenüber einem Brennpunkt von etwa 170 °C bei Mineralöl. Damit brauchen die Transformatoren der Mine keine Brandwände, und die Auffangwannen konnten einfacher ausgeführt werden. Dass die Flüssigkeit zusätzlich biologisch leicht abbaubar ist, kam einem Standort zugute, an dem jeder Eintrag in den Boden aufwendig zu beherrschen wäre. Die Vorteile gelten für Anlagen über wie unter Tage gleichermaßen.

Das Ergebnis

Neben der eingesparten Investition in Millionenhöhe hat der Ansatz die Art verändert, wie in Bergbauprojekten des Unternehmens Strom bereitgestellt wird: Rio Tinto Iron Ore setzt die Flüssigkeit inzwischen aktiv an weiteren Standorten ein. Der beauftragte Generalplaner fasste es sinngemäß so zusammen: Es gebe keinen Grund, die Flüssigkeit nicht vorzuschreiben – sie habe das Projekt vollständig entrisikt und allein beim Beton über drei Millionen Dollar gespart.

Warum das auch hierzulande trägt

Deutsche Bergwerke, Tagebaue, Kies- und Zementwerke stehen vor derselben Rechnung, wenn auch in anderer Größenordnung. Bauliche Brandschutzmaßnahmen sind fest kalkulierbar, aber teuer und flächenintensiv; eine Flüssigkeit der Brandklasse K nach IEC 61100 verlagert den Schutz an die Quelle. Für die Aufstellung heißt das konkret: geringere Abstände, entfallende oder kleinere Trennwände, vereinfachte Rückhaltung. Wo Anlagen in Wasserschutzgebieten oder im Geltungsbereich der AwSV betrieben werden, kommt der Umweltaspekt hinzu. Weitere Anwendungsfälle stehen unter Bergbau, die wirtschaftliche Seite unter Kosteneinsparung und die technischen Grundlagen unter Brandschutz.

Neubau oder Bestand

Bei Neuanlagen gehört die Flüssigkeit in die technische Spezifikation, bevor die Angebote eingeholt werden – nur dann lassen sich die Einsparungen beim Bau überhaupt heben. Bestandsanlagen lassen sich per Retrofilling umstellen, ohne den Transformator vom Aufstellungsort zu bewegen.

Wenn Sie für einen Standort mit hohem Elektrifizierungsgrad planen: Schicken Sie uns die Transformatorliste und die geplante Aufstellung. Wir rechnen Ihnen durch, was der Verzicht auf Brandwände und Löschtechnik bei Ihrer Konstellation bedeutet. Nehmen Sie Kontakt auf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert