Nicht jede Umstellung beginnt mit einer Auflage. Manche beginnt damit, dass jemand die eigene Anlage an den eigenen Maßstäben misst. Ein Pharmaunternehmen mit Hauptsitz in Toronto, bekannt für die schnelle Bereitstellung bezahlbarer Medikamente, hat genau das getan – und dabei den Transformator auf dem eigenen Gelände als Schwachstelle seiner Umweltbilanz identifiziert.
Die Anlage
Es handelt sich um einen in Kanada gefertigten Transformator mit 4.500/6.000 kVA, 27,6 kV auf 600/347 V, Schaltgruppe Dreieck-Stern. Beschafft wurde er 2012, gefüllt war er mit Mineralöl. Ein auf Hochspannungsinstandhaltung spezialisierter Dienstleister aus Ontario wies das Unternehmen auf zwei Eigenschaften dieser Füllung hin: Mineralöl baut sich in der Umwelt nur langsam ab, und es ist brennbar.
Warum das für den Betreiber ein Thema war
Das Unternehmen hatte sich selbst darauf festgelegt, Produkte mit möglichst geringer Umweltwirkung herzustellen und einzusetzen. Ein Betriebsmittel auf dem eigenen Gelände, dessen Füllung im Schadensfall Boden und Grundwasser gefährdet, passte dazu nicht. Die Frage war also nicht, ob eine Alternative geprüft wird, sondern welche.
Der Instandhaltungsdienstleister empfahl das Retrofilling mit Shell MIDEL eN 1204, einem natürlichen Ester aus Raps- beziehungsweise Canolaöl. Ausschlaggebend waren vier Eigenschaften:
- leicht biologisch abbaubar – bei Leckage bleibt der Schaden begrenzt, die Sanierungskosten sinken deutlich
- Flüssigkeit der Brandklasse K mit einem Brandpunkt über 300 °C gegenüber 170 °C bei Mineralöl
- niedriger Heizwert, dadurch praktisch kein Risiko eines Lachenbrandes
- Pourpoint von −31 °C, also auch bei kanadischen Wintertemperaturen betriebssicher
Der Eingriff selbst
Das Retrofilling findet an der stehenden Anlage statt und verlangt nur eine kurze Abschaltung. Voraussetzung ist ein erfahrener Dienstleister, der nach den Vorgaben des Herstellers arbeitet – Spülung, Restmengenbehandlung, Vakuumbefüllung und Trocknungsgrad sind die Punkte, an denen sich Sorgfalt auszahlt. Estertransformatorflüssigkeiten werden für diesen Zweck seit den 1970er Jahren eingesetzt; das Verfahren ist kein Versuch, sondern Routine.
Ein Punkt, der oft untergeht
Die Umstellung wurde weder durch einen Schaden ausgelöst noch durch eine Auflage. Sie ging von der Frage aus, ob die eigene Infrastruktur zu den eigenen Grundsätzen passt. Wer so vorgeht, hat bei der Ausführung mehr Spielraum: Der Termin lässt sich in eine ohnehin geplante Abschaltung legen, und die Auswahl der Flüssigkeit richtet sich nach der Anlage statt nach einer Frist.
Was der Fall für deutsche Standorte bedeutet
Hierzulande liefert die AwSV das Argument gleich mit: Transformatoren sind Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen, und in Wasserschutzgebieten oder auf Standorten mit empfindlicher Umgebung entscheidet die Wassergefährdungsklasse der Füllung über den Aufwand für Auffangeinrichtungen. Natürliche Ester nach DIN EN 62770 sind hier die deutlich einfachere Ausgangslage. Dazu kommt der Punkt, den der kanadische Betreiber ebenfalls mitgenommen hat: Ester verlangsamen die Alterung der Zellulose und verlängern damit die Nutzungsdauer der Wicklungsisolation.
Wenn Sie einen eigenen Transformator betreiben und Ihre Nachhaltigkeitsziele auch für die technische Infrastruktur gelten sollen, prüfen wir mit Ihnen, ob Shell MIDEL eN 1204 für Ihre Anlage in Frage kommt und welchen Beitrag das zum Gewässerschutz am Standort leistet. Schreiben Sie uns kurz, welche Daten Ihre Anlage hat.