Wer in dicht besiedelten Gebieten Verteiltransformatoren aufstellt, steht regelmäßig vor derselben Wahl: mineralölgefüllt und damit brandlastbehaftet, oder Gießharz und damit teurer. Der indische Verteilnetzbetreiber CESC Ltd. aus Kolkata hat 2016 einen dritten Weg geprüft — und zwei vorhandene Transformatoren vor Ort auf Shell MIDEL 7131 umgestellt.
Ausgangslage: ein Netz mit über 8.000 Verteiltransformatoren
CESC versorgt rund drei Millionen Kunden im Raum Kolkata und deckt Erzeugung, Übertragung und Verteilung ab. Im Netz stehen mehr als 8.000 Verteiltransformatoren, die Mehrzahl davon im Bereich zwischen 315 und 500 kVA — also genau in der Leistungsklasse, die auch in deutschen Stadtnetzen die Regel ist.
Seit 1990 setzt der Betreiber in dicht besiedelten Lagen Gießharztransformatoren ein; inzwischen sind rund 25 Prozent des Bestands Trockentransformatoren. Die Suche nach einer Alternative hatte damit einen klaren Anlass: Mineralöl gilt als brandgefährdet, Gießharz als kostspielig. Esterbefüllte Transformatoren sollten beide Nachteile vermeiden.
Zwei Pilotanlagen in sensibler Umgebung
Ausgewählt wurden zwei Transformatoren mit je 400 kVA und 11/6 kV, beide im laufenden Betrieb vor Ort umgestellt:
- ein neu installierter Transformator in einer Kunststofffabrik innerhalb eines dicht bewohnten Quartiers,
- ein Transformator in einer Fertigungswerkstatt in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Schule.
In beiden Fällen ging es um dieselben drei Ziele: Brandsicherheit, Umweltschutz und der sichere Betrieb bei hohen Temperaturen.
Die drei Gründe, die den Ausschlag gaben
Brandpunkt. Shell MIDEL 7131 hat einen Brandpunkt von 316 °C gegenüber rund 170 °C bei Mineralöl. In bewohnter oder anderweitig empfindlicher Umgebung ist das der entscheidende Unterschied — ein synthetischer Ester nach DIN EN 61099 fällt in die Brandklasse K nach IEC 61100.
Biologische Abbaubarkeit. Der synthetische organische Ester ist als leicht und vollständig biologisch abbaubar eingestuft. Für deutsche Betreiber ist das vor allem dort relevant, wo die AwSV Auffangvorrichtungen verlangt oder Anlagen in Wasserschutzgebieten stehen — siehe dazu das Berliner Programm im Wasserschutzgebiet.
Feuchtetoleranz. Esterflüssigkeiten vertragen eingedrungenes Wasser deutlich besser als Mineralöl. In Regionen mit hoher Luftfeuchte oder ausgeprägten Regenzeiten steigt dadurch die Betriebssicherheit. Warum das so ist und was es für das Isolierpapier bedeutet, steht im Beitrag zur Feuchtetoleranz von Esterflüssigkeiten.
Ergebnis und Einordnung
Nach umfangreichen Prüfungen durch CESC sind beide Transformatoren vollständig in Betrieb. Der Hersteller begleitete das Vorhaben von der ersten Bewertung bis zur Wiederinbetriebnahme und verweist darauf, dass sich die Umstellung auch wirtschaftlich rechnet: Die Transformatoren sollen länger nutzbar sein und auf einem höheren Niveau arbeiten als zuvor.
Bemerkenswert ist an diesem Fall weniger die Zahl der Anlagen als die Fragestellung. Hier hat ein Netzbetreiber nicht ein Einzelproblem gelöst, sondern eine Technologieentscheidung für einen großen Bestand vorbereitet. Wer vor derselben Wahl steht, findet die sachliche Gegenüberstellung im Beitrag Gießharz oder Esterflüssigkeit.
Planen Sie eine Grundsatzentscheidung für Ihren Verteiltransformatorenbestand? Wir rechnen Ihnen die Varianten für Ihre Leistungsklassen und Aufstellsituationen durch — sprechen Sie uns an.