Veranstaltungshallen, Kongresszentren und Messebauten brauchen viel elektrische Leistung an einer Stelle, an der für eine klassische Freiluftschaltanlage kein Platz ist. Die Anlage wandert damit unter das Gebäude – und mit ihr die Frage, womit der Transformator isoliert und gekühlt wird. Ein Projekt in Baku zeigt, wie diese Entscheidung früh in der Planung fällt und was sie für den Bau bedeutet.
Eine Arena unter Zeitdruck
Nachdem Aserbaidschan 2011 den Eurovision Song Contest gewonnen hatte, musste das Land die Ausgabe des Folgejahres ausrichten und brauchte dafür kurzfristig eine geeignete Halle. Die Baku Crystal Hall entstand innerhalb weniger Monate: ausgelegt auf 25.000 Zuschauer, mit einer Membranfassade, die dem Bau sein kristallines Erscheinungsbild gibt, und mit insgesamt 64.400 LED-Leuchten für frei steuerbare Lichtszenen. Die Halle war im April 2012 fertiggestellt, die erste Veranstaltung folgte im Mai.
Das Umspannwerk liegt unter dem Bauwerk
Zur Infrastruktur der Arena gehörte ein neues, unterirdisch ausgeführtes Umspannwerk. Den Auftrag dafür erhielt ABB. Betreiber ist der aserbaidschanische Versorger Azerenergy. Der Leistungstransformator ist auf 80 MVA bei einer höchsten Spannung von 110 kV ausgelegt und ging im März 2012 in Betrieb. Gebaut wurde er im ABB-Werk Vaasa in Finnland, das Transformatoren mit Shell MIDEL 7131 seit Langem für die unterschiedlichsten Projekte fertigt.
Warum die Flüssigkeit die Bauform bestimmt
In einem geschlossenen Untergeschoss ist nicht in erster Linie die Flamme das Problem, sondern der Rauch und die Wärme, die nicht abziehen können. Genau deshalb verschiebt sich die Abwägung dort zugunsten einer schwer entflammbaren Isolierflüssigkeit. Shell MIDEL 7131 ist ein synthetischer Ester nach DIN EN 61099 mit einem Brennpunkt über 300 °C und erfüllt die Brandklasse K nach IEC 61100. Für eine Anlage im Gebäude heißt das:
- Die Flüssigkeit zündet unter den Bedingungen eines Transformatorfehlers nicht wie Mineralöl durch, dessen Brennpunkt bei rund 170 °C liegt.
- Anforderungen an Brandabschnitte, Abstände und Löschtechnik lassen sich im Planungsgespräch mit dem Brandschutzsachverständigen anders begründen als bei einer Mineralölfüllung.
- Der Ester ist biologisch leicht abbaubar, was die Ausführung der Auffangwanne und den Umgang mit Leckagen im Gebäude vereinfacht.
- Die elektrischen und thermischen Kennwerte erlauben denselben Aufbau des Aktivteils wie bei einem Mineralöltransformator – der Hersteller muss keine andere Konstruktionsphilosophie anwenden.
Was das für Projekte in Deutschland bedeutet
Die Ausgangslage in Baku ist keine Besonderheit ferner Großprojekte. Stadien, Messehallen, Bahnhöfe, Rechenzentren und Hochhäuser haben dieselbe Randbedingung: Die Einspeisung liegt im Untergeschoss, Wartungszugänge sind eng, Löschwasser wäre für die umliegende Technik mindestens so schädlich wie das Feuer selbst. Wer solche Anlagen plant, entscheidet über die Isolierflüssigkeit in derselben Phase wie über Statik und Entrauchung – und nicht erst bei der Bestellung des Transformators. Weitere Hinweise dazu stehen auf unseren Seiten zum Brandschutz und zu Leistungstransformatoren.
Auch im Bestand möglich
Bestehende Anlagen lassen sich nachträglich umstellen. Beim Retrofilling wird das Mineralöl abgelassen, der Transformator gespült und mit Ester wiederbefüllt, ohne dass die Einheit den Aufstellungsort verlässt. Für Gebäude, in denen ein Austausch bauliche Eingriffe erfordern würde, ist das häufig der einzige wirtschaftlich vertretbare Weg zu einer schwer entflammbaren Füllung.
Wenn Sie ein Umspannwerk im Gebäude planen oder eine bestehende Anlage im Untergeschoss neu bewerten wollen: Schicken Sie uns Leistungsschild, Aufstellungssituation und die aktuellen Ölwerte. Wir sagen Ihnen, ob eine Umstellung fachlich trägt und was sie kostet. Nehmen Sie Kontakt auf.