Ein Transformator, dessen Isolierpapier bereits Feuchte gezogen hat, gilt vielen Betreibern als Fall für die Ersatzbeschaffung. Ein Düngemittelwerk in Indien hat sich anders entschieden – und die Umstellung in einem einzigen Tag abgewickelt, weil mehr Stillstand betrieblich nicht darstellbar war.
Der Betrieb
Mangalore Chemicals and Fertilizers Limited (MCFL) gehört zur indischen Adventz-Gruppe und ist der größte Hersteller chemischer Düngemittel im Bundesstaat Karnataka. Das Werk liegt nördlich von Mangalore. Das Unternehmen ist nach ISO 14001 und OHSAS 18001 zertifiziert und behandelt die Zuverlässigkeit seiner Transformatoren ausdrücklich als Teil dieser Systematik. Das ist keine Formalie: Transformatoren zählen regelmäßig zu den fünf risikoreichsten Anlagengütern eines Produktionsstandorts, und die Entflammbarkeit von Mineralöl ist dabei der wesentliche Beitrag.
Der Befund
Im Rahmen eines Instandhaltungs- und Anlagenkonzepts wurde ein Transformator mit 1,6 MVA, 3,3/0,433 kV und 50 Hz bewertet. Der verantwortliche Leiter Elektrotechnik entschied, das Mineralöl durch eine Esterflüssigkeit zu ersetzen. Zwei Gründe standen nebeneinander: die Entflammbarkeit des Öls und die Gefährdung für Boden und Gewässer bei Leckage. Hinzu kam ein konkreter Zustandsbefund – das Isolierpapier der Einheit hatte durch die hohe Luftfeuchte der Region bereits gelitten.
Warum die Umstellung den Transformator gerettet hat
Genau an diesem Punkt unterscheidet sich eine Esterfüllung von einer bloßen Ölwechselmaßnahme. Ester nehmen ein Vielfaches der Wassermenge auf, die Mineralöl lösen kann, ohne dass die Durchschlagfestigkeit einbricht. Dadurch stellt sich zwischen Flüssigkeit und Papier ein neues Gleichgewicht ein: Der Ester entzieht der Zellulose Feuchte, statt sie dort zu belassen. Die Alterung des Papiers wurde damit angehalten, und die Ersatzbeschaffung des Transformators entfiel. Der fachliche Hintergrund steht in unseren Beiträgen zur Feuchtetoleranz und zur Lebensdauer der Zelluloseisolierung.
24 Stunden Stillstand als harte Vorgabe
Die betriebliche Randbedingung war eindeutig: Die Produktion durfte nicht länger als einen Tag unterbrochen werden. Das Retrofilling wurde innerhalb von 24 Stunden abgeschlossen. Anschließend prüfte ein unabhängiges Ingenieurbüro die Füllung und bestätigte einen Brennpunkt von 310 °C. Damit war der Nachweis erbracht, dass die Einheit nach der Umstellung die Anforderungen an eine schwer entflammbare Flüssigkeit erfüllt.
Die Kennwerte im Überblick
- Höchste Brandschutzklasse K3, Brennpunkt über 300 °C, Heizwert unter 32 MJ/kg
- Vollständig beziehungsweise leicht biologisch abbaubar
- Hohe Oxidationsstabilität
- Deutlich höhere Feuchtetoleranz als Mineralöl
- Konform zu den indischen Normen BIS 16081, 16099 und 13503; in Deutschland ist DIN EN 61099 die maßgebliche Spezifikation für synthetische Ester
Übertragbar auf deutsche Werksnetze
Der Leiter Elektrotechnik des Werks fasste den Nutzen sinngemäß so zusammen: Die Flüssigkeit habe drei Probleme gleichzeitig gelöst – Versorgungssicherheit der Produktion, Schutz der Papierisolierung und vermiedene Investition. Dieselbe Rechnung stellt sich in jedem deutschen Chemie- oder Lebensmittelwerk mit Transformatoren aus den 1980er und 1990er Jahren, deren Ölanalysen erhöhte Wassergehalte zeigen. Statt eine Ersatzeinheit zu bestellen und auf Lieferzeiten zu warten, lässt sich die vorhandene Einheit in einem Wochenendstillstand umstellen. Weitere Anwendungsfälle stehen unter Industrie und Geschäftskontinuität.
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