Vor jedem Retrofilling steht dieselbe Frage: Hält alles, was im Kessel verbaut ist, auch der neuen Flüssigkeit stand? Für die natürlichen Ester Shell MIDEL eN 1204 und Shell MIDEL eN 1215 lautet die Grundregel: Werkstoffe, die im Bau mineralölgefüllter Transformatoren üblich sind, sind in der Regel verträglich. Die Ausnahmen sind überschaubar, aber sie entscheiden über den Erfolg der Umstellung.
Woher die Angaben stammen
Die Verträglichkeitslisten beruhen auf eigenen Prüfungen und auf übertragenen Daten zu pflanzlichen Ölen. Sie sind als Orientierung gedacht und nicht abschließend. Wichtig ist der Hinweis auf die Rezepturen: Innerhalb einer Werkstoffgruppe gibt es zahlreiche Formulierungen, deren Verhalten je nach Additivierung abweichen kann. Das betrifft vor allem Elastomere und Polymere. Ist ein nicht gelisteter Werkstoff für die Funktion der Anlage entscheidend, sollte der Hersteller eingebunden und geprüft werden.
Verträgliche Werkstoffe
- Dichtungen und O-Ringe: Nitrilkautschuk nach BS2751, Fluorkautschuk (Viton), PTFE, Nylon, Fluorsilikon
- Flachdichtungen: Kork, gebunden mit Nitril oder Chloropren
- Drahtlacke, Kesselinnenlacke, Isolierlacke: Polyester und Epoxid beziehungsweise Epoxid
- Kunststoffe und Platten: boPET (Mylar), Polyester (Melinex), Hartgewebe aus Glas und Epoxidharz (HGW), PEEK, Polypropylen, glasfaserverstärktes Epoxidharz (FRP), Epoxid- und Polyurethanharze, Nylon, PPS
- Schlauchisolierungen: Epoxid/Glas, Polyester/Glas
- Metalle: Kupfer, Aluminium, Kernblech
- Klebstoffe: Kasein, Epoxid, Cyanacrylat, PUR- und PVA-Harz
- Feststoffisolierung und Sonstiges: Kraftpapier, thermisch veredeltes Kraftpapier, Aramidpapier (Nomex), Pressspan, Phenolharz-Papierlaminat, Porzellan, Baumwollband, rautenförmig beharztes Papier, Sperrholz
Drei Einschränkungen gehören dazu: Nitrilkautschuk wird in vielen Qualitäten hergestellt, von denen einige unverträgliche Zusätze oder Binder enthalten – deshalb die Empfehlung, BS2751-Qualität zu verwenden. Kesselinnenlacke auf Naturharzbasis sind zwar beständig, können beim Altern aber Säure abgeben. Und einzelne Papiere und Pressspäne geben Farbstoff an die Flüssigkeit ab; die Isoliereigenschaften werden dadurch nach bisheriger Erfahrung nicht beeinträchtigt.
Unverträgliche Werkstoffe
- Elastomere und Kunststoffe: Neopren, Naturkautschuk, Polychloropren, Polystyrol, vernetztes Polyethylen (VPE/XLPE), vernetztes Polyolefin, AQP-Elastomer
- Schläuche: Ausführungen aus vernetztem Polyolefin und AQP-Elastomer
- Leitungen: SABIX A156 FRNC und SABIX D315 FRNC
- Dichtmassen: niedrigmoduliges Silikon
- Metalle und Beschichtungen: verzinkter Stahl sowie Zinkanstriche
- Sonstiges: selbstverschweißendes Band aus Ethylen-Propylen-Kautschuk
Ein Sonderfall ist Neopren: Als Binder in Korkverbundwerkstoffen ist es einsetzbar, als alleiniger Dichtungswerkstoff nicht. EPDM wird in den Herstellerangaben je nach Anwendung und Rezeptur unterschiedlich bewertet – hier ist eine Prüfung im Einzelfall unverzichtbar.
Was das für die Praxis heißt
In den meisten Fällen beschränkt sich die Vorbereitung eines Retrofillings auf den Tausch weniger Dichtungen und die Kontrolle von Kabeln und Schläuchen im Kessel. Für den synthetischen Ester gilt eine eigene Liste, die im Beitrag Materialverträglichkeit Shell MIDEL 7131 beschrieben ist. Die natürlichen Ester entsprechen DIN EN 62770; Datenblätter dazu finden Sie unter Shell MIDEL eN 1204 und in der technischen Bibliothek.
Sie planen ein Retrofilling und sind sich bei einem Werkstoff nicht sicher? Schicken Sie uns die Stückliste – wir klären offene Punkte mit dem Werkstoffhersteller und lassen bei Bedarf prüfen.