Zum Inhalt springen

Transformator neben der Gasflaschenlagerung: Risiko an einem Tag entschärft

  • von

Manche Risiken stehen jahrelang unauffällig nebeneinander, bis jemand sie im Zusammenhang betrachtet. In einem britischen Fertigungsbetrieb war es ein mineralölgefüllter Transformator mit 1.500 kVA, der in unmittelbarer Nähe zu großen Gasflaschen aufgestellt war. Die Kombination fiel bei einer Risikobetrachtung auf — und wurde an einem einzigen Tag entschärft.

Die Ausgangslage

Der Betrieb fertigt hochwertige Güter; der Transformator versorgt die Produktion. Aufgestellt war er innerhalb des Gebäudes, in geringer Entfernung zu einer Gasflaschenlagerung. Mineralöl ist brennbar und hat einen vergleichsweise niedrigen Brandpunkt. Ein innerer Fehler mit Kesselschaden hätte damit eine erhebliche Brandlast unmittelbar neben Druckgasbehältern freigesetzt.

Der Betreiber ließ die Handlungsmöglichkeiten prüfen. Bei einer solchen Konstellation kommen grundsätzlich drei Wege in Frage: den Transformator versetzen, die Gasflaschenlagerung verlegen, oder die Brandlast im Transformator selbst beseitigen. Die ersten beiden Varianten bedeuten Baumaßnahmen, Genehmigungen und längere Eingriffe in den Betrieb. Die dritte betrifft nur den Kesselinhalt.

Warum die Flüssigkeit die einfachste Stellschraube war

Die Entscheidung fiel auf das Retrofilling: Das Mineralöl wurde durch Shell MIDEL 7131 ersetzt, einen synthetischen Ester mit einem Brandpunkt von über 300 °C und Einstufung in die Brandklasse K. Damit ändert sich nicht die Aufstellung, sondern das, was im Schadensfall überhaupt brennen kann.

Zwei Nebeneffekte kamen hinzu:

  • Die Flüssigkeit ist biologisch abbaubar und nicht toxisch, was die Anforderungen an Auffangvorrichtungen und den Umgang mit Leckagen entspannt.
  • Der Transformator kann bei höheren Betriebstemperaturen gefahren werden, was die Zuverlässigkeit im Alltagsbetrieb erhöht.

In Deutschland ist derselbe Gedankengang über die Gefährdungsbeurteilung erreichbar: Wo Abstände zu brennbaren oder druckführenden Stoffen baulich nicht herstellbar sind, ist die Verringerung der Brandlast die verbleibende wirksame Maßnahme. Der Zusammenhang ist unter Brandschutz ausführlicher dargestellt.

Ein Tag Stillstand, im Weihnachtsfenster

Ausgeführt wurde die Arbeit von einem Shell MIDEL Service Partner. Um die Produktion nicht zu stören, fand sie während der Betriebsruhe zwischen den Jahren statt und war innerhalb einer eintägigen Abschaltung abgeschlossen.

Der Ablauf war unspektakulär und genau deshalb bemerkenswert: Das alte Mineralöl wurde in geeignete Behälter abgelassen, vom Standort abtransportiert und nach den Vorgaben der zuständigen Umweltbehörde entsorgt. Anschließend wurde Shell MIDEL 7131 nach den Vorgaben des Herstellers in den Transformator eingebracht. Kurz nach Abschluss der Arbeiten ging die Anlage wieder in Betrieb.

Für die Terminplanung in deutschen Betrieben ist das die entscheidende Botschaft: Ein Retrofilling passt in ein ohnehin geplantes Stillstandsfenster — Betriebsferien, Revision, Umbauwochenende. Es braucht kein eigenes Projekt mit langer Vorlaufzeit, sondern einen Platz im vorhandenen Instandhaltungsplan.

Was der Fall wirtschaftlich zeigt

Die Begründung des Betreibers zielte weniger auf den Transformator als auf den Betrieb dahinter. Ein Transformatorbrand in einer hochwertigen Fertigung bedeutet nicht nur den Schaden am Betriebsmittel, sondern Produktionsausfall, Umsatzverlust und Imageschaden. Gemessen daran ist der Flüssigkeitstausch eine kleine Maßnahme mit großer Hebelwirkung — dieselbe Rechnung, die auch hinter dem Thema Geschäftskontinuität steht.

Wie sich derselbe Ansatz in anderen Fertigungsumgebungen darstellt, zeigt der Überblick zu Transformatoren in der Industrie.

Haben Sie Transformatoren in kritischer Nachbarschaft zu Gefahrstoffen, Lagern oder Produktionsanlagen? Wir prüfen, ob sich das Risiko über die Isolierflüssigkeit lösen lässt, und planen den Eingriff in Ihr Stillstandsfenster — sprechen Sie uns an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert