In Wohnhochhäusern steht der Verteiltransformator selten dort, wo man ihn gern hätte. Häufig sitzt er in einer eingebauten Station im Untergeschoss, unter den Wohnungen, die er versorgt, seltener auf dem Dach. Solange die Anlage mit Mineralöl gefüllt ist, liegt damit eine brennbare Flüssigkeitsmenge innerhalb des Gebäudes. Ein britischer Netzbetreiber hat daraus 2019 eine Konsequenz gezogen, die in ihrer Größenordnung bis dahin einmalig war.
Der Auslöser: eine sicherheitstechnische Neubewertung
Eine interne Sicherheitsüberprüfung stufte den Brandschutz einer großen Zahl mineralölgefüllter Transformatoren herab. Betroffen waren vor allem Einheiten in eingebauten Stationen – oft in Kellern von Wohnhochhäusern, die genau von diesen Transformatoren versorgt werden. Die Leistungsklassen reichen von 500 kVA bis 1.000 kVA, also über das übliche Spektrum der städtischen Ortsnetzstation.
Der Betreiber legte daraufhin ein Ertüchtigungsprogramm für mehr als 100 Wohnhochhausstandorte auf. Die Aufgabenstellung war damit klar umrissen: die brennbare Flüssigkeit aus dem Gebäude bekommen, ohne die Anlagen auszutauschen und ohne die Bewohner über Wochen ohne Versorgung zu lassen.
Warum kein Neubau, sondern Retrofilling
Ein Austauschprogramm für über hundert Stationen hätte Investitionsmittel in erheblicher Höhe gebunden und je Standort Bauarbeiten im bewohnten Gebäude bedeutet. Der Betreiber entschied sich stattdessen für den Flüssigkeitstausch an der bestehenden Anlage: Mineralöl ablassen, Kessel und Wicklungen spülen, mit Shell MIDEL 7131 befüllen. Die Arbeiten finden vor Ort statt, der Transformator bleibt, wo er ist.
Ausgeführt wurden die Umstellungen von einem Shell MIDEL Service Partner, der seit 2015 Erfahrung mit Esterflüssigkeiten in Bestandsanlagen gesammelt hatte. Dessen Geschäftsführung wies darauf hin, dass ein Programm dieser Größenordnung zur Verbesserung der Bewohnersicherheit im Land zuvor nicht durchgeführt worden war – und dass der Verzicht auf ein Neubeschaffungsprogramm sowohl Zeit als auch Kapital gespart hat.
Was sich brandschutztechnisch ändert
- Shell MIDEL 7131 hat einen Brandpunkt von 316 °C, Mineralöl liegt bei rund 180 °C.
- Der synthetische Ester ist als Flüssigkeit der Brandklasse K nach IEC 61100 eingestuft; Mineralöl ist es nicht.
- Der niedrige Heizwert begrenzt die Energie, die im Fehlerfall überhaupt freigesetzt werden kann.
- Die Anlagentechnik bleibt unverändert – gleicher Kessel, gleiche Anschlüsse, gleicher Aufstellort.
Übertragbar auf deutsche Verhältnisse
Die Ausgangslage kennt man hierzulande ebenso: Ortsnetzstationen in Untergeschossen von Wohnanlagen, oft älter als die letzte Brandschutzbewertung des Gebäudes. Wer eine solche Station brandschutztechnisch entschärfen soll, hat nur wenige Wege – bauliche Abtrennung, Löschanlage, Neuanlage oder Flüssigkeitstausch. Der britische Fall zeigt, dass der Flüssigkeitstausch auch im Bestand und in Serie funktioniert, und zwar an Einheiten der Größe, die auch in deutschen Verteilnetzen die Regel ist.
Sie betreuen Stationen in Wohngebäuden und prüfen gerade Maßnahmen zum Brandschutz? Wir sagen Ihnen, welche Ihrer Anlagen für eine Umstellung auf Shell MIDEL 7131 in Frage kommen und was das je Station bedeutet – sprechen Sie uns an.