Ein Verteiltransformator im Keller eines Wohnhauses ist der Aufstellort, bei dem Brandschutzfragen am unangenehmsten werden: Über der Station wohnen Menschen, der Fluchtweg führt oft am Betriebsraum vorbei, und bauliche Nachrüstungen sind im Bestand kaum durchsetzbar. Tata Power Delhi Distribution Limited hat 2010 für genau diese Situation eine Antwort gefunden, die ohne Eingriff am Gebäude auskommt.
Ein Netz unter Wachstumsdruck
Der Versorger, früher unter dem Namen NDPL geführt, betreibt das Verteilnetz im Norden und Nordwesten Delhis und versorgt damit rund fünf Millionen Menschen. Wie andere indische Netzbetreiber in Ballungsräumen steht er unter starkem Nachfragedruck und hat mehrere Programme zur Verbesserung des Verteilnetzes aufgelegt.
Bei der Bestandsaufnahme fiel eine große Zahl mineralölgefüllter Transformatoren auf, die in dicht bebauten Lagen stehen — teilweise in den Kellergeschossen von Wohngebäuden. Für die Bewohner bedeutet das eine Brandlast im Haus. Ein Konzept zur Risikominderung war erforderlich, ohne den Bestand auszutauschen.
Die Entscheidung: Flüssigkeitstausch statt Neubeschaffung
Gemeinsam mit dem Hersteller entstand ein Plan, eine Reihe von Verteiltransformatoren in den kritischsten Stadtbereichen auf Shell MIDEL 7131 umzustellen. Betroffen waren Einheiten mit 11 kV Oberspannung und typischen Bemessungsleistungen um 630 kVA — die Klasse, die in deutschen Netzen die Ortsnetzstation prägt.
Der Weg über das Retrofilling hat hier zwei Vorteile, die zusammenwirken: Er lässt die vorhandene Anlage im Betrieb, und er senkt die Brandlast am Aufstellort, ohne dass Brandwände, Auffangwannen oder Löschanlagen nachgerüstet werden müssen. Shell MIDEL 7131 ist ein synthetischer Ester nach DIN EN 61099 und in die Brandklasse K nach IEC 61100 eingeordnet.
21 Transformatoren, konsequent in der Werkstatt umgestellt
Insgesamt wurden 21 Transformatoren umgestellt, darunter Einheiten aus Kellerräumen von Wohngebäuden. Tata entschied sich bewusst gegen die Umstellung vor Ort: Die Transformatoren wurden in die eigene Werkstatt gebracht, dort vollständig entleert, gespült und mit Shell MIDEL 7131 neu befüllt.
Das Verfahren entsprach den Vorgaben des Herstellers und erwies sich als sehr wirksam. Der Restanteil an Mineralöl lag in den meisten Fällen unter drei Prozent. Dieser Wert ist kein Nebenaspekt, sondern der eigentliche Prüfstein: Je geringer der Restölanteil, desto sicherer bleibt der Brandpunkt der Füllung im Bereich der Brandklasse K. Wer den Nachweis später gegenüber Versicherer oder Sachverständigem führen muss, sollte ihn über eine Probe aus dem Kessel führen.
Werkstatt oder vor Ort — wann sich was lohnt
- Werkstatt: bestmögliche Spülung, niedrigster Restölanteil, kontrollierte Bedingungen. Setzt voraus, dass der Transformator ausgebaut und transportiert werden kann und eine Ersatzversorgung zur Verfügung steht.
- Vor Ort: kürzere Abschaltzeit, kein Transport, geeignet für schwer zugängliche oder fest eingebaute Einheiten — dafür sind mehr Spülgänge nötig, um denselben Restölanteil zu erreichen.
In Delhi war der Transport möglich, also wurde der sauberere Weg gewählt. Wie die Alternative aussieht, wenn eine Anlage nicht bewegt werden kann, zeigt der Fall der britischen Wohnhochhäuser, deren Kellerstationen vor Ort umgestellt wurden.
Bedeutung für deutsche Betreiber
Ortsnetzstationen in Wohngebäuden sind auch hierzulande verbreitet, besonders in Innenstädten und bei Nachverdichtung. Wo eine Station im Haus liegt, entscheidet die Wahl der Isolierflüssigkeit unmittelbar über die Brandlast — und damit über das, was an baulichem Brandschutz überhaupt gefordert werden muss.
Sie haben Ortsnetzstationen in bewohnten Gebäuden und wollen wissen, welche davon sich für einen Flüssigkeitstausch eignen? Wir bewerten den Bestand anhand von Alter, Ölanalysen und Zugänglichkeit — melden Sie sich bei uns.