Wer Transformatoren für eine Raffinerie spezifiziert, plant nicht gegen den Regelfall, sondern gegen den Fehlerfall. Ein Brand in einer Öl- oder Gasverarbeitungsanlage hat Folgen, die weit über den Sachschaden am Aggregat hinausgehen. Das Raffinerieprojekt Duqm im Oman zeigt, wie eine solche Spezifikation aussieht, wenn Brandschutz von Anfang an über die Isolierflüssigkeit gelöst wird – und nicht nachträglich über Löschtechnik.
Der Standort
Die Raffinerie Duqm liegt im Sultanat Oman in unmittelbarer Nähe der internationalen Schifffahrtsrouten in Arabischem Meer und Indischem Ozean. Diese Lage verkürzt die Transportwege für Rohöl und Produkte erheblich und gibt dem Standort seinen strategischen Wert. Die Anlage ist auf eine Verarbeitungskapazität von rund 230.000 Barrel Rohöl pro Tag ausgelegt. Bei dieser Größenordnung ist Brandsicherheit keine Komfortfrage, sondern eine betriebliche Voraussetzung.
Hitze, Feuchte und Staub als Auslegungsbedingung
Transformatoren im Nahen Osten arbeiten unter Randbedingungen, die in Mitteleuropa allenfalls im Hochsommer und nur kurzzeitig auftreten: hohe Umgebungstemperaturen, hohe Luftfeuchte, Staubeintrag. Umgebungstemperaturen über 50 °C sind an vielen Standorten der Region der Normalfall. Beides – Wärme und Feuchte – wirkt direkt auf die Alterung der Zellulose im Transformator. Estertransformatorflüssigkeiten sind hier doppelt im Vorteil: Sie halten deutlich mehr Wasser in Lösung, bevor die Durchschlagfestigkeit leidet, und sie entziehen dem Isolierpapier Feuchte, statt sie dort anzureichern. Die Zusammenhänge dazu stehen im Beitrag zur Feuchtetoleranz.
135 Transformatoren, überwiegend 11 kV
Das Ingenieurteam in Duqm beauftragte die neuen Transformatoren beim Hersteller Hyosung Heavy Industries. Das Projekt läuft in zwei Paketen und umfasst insgesamt 135 Transformatoren in unterschiedlichen Bemessungsleistungen, überwiegend im Bereich 11 kV. Mit der Festlegung auf Shell MIDEL 7131 sicherte sich der Betreiber drei Punkte gleichzeitig:
- Risikominderung am Aggregat: Die Flüssigkeit erfüllt die Brandklasse K nach IEC 61100 mit einem Brennpunkt über 300 °C.
- Umweltschutz: Der synthetische Ester ist biologisch leicht abbaubar.
- Bessere Gesamtkosten: geringerer Wartungsaufwand und weniger Aufwand im Tief- und Betonbau rund um die Aufstellung.
Gerade der letzte Punkt entscheidet bei einer Stückzahl von 135 Einheiten über erhebliche Beträge: Was bei einem einzelnen Transformator eine Randnotiz ist, summiert sich über ein ganzes Werksgelände.
Keine Einzelentscheidung in der Region
Duqm steht nicht allein. Zu den Betreibern, die in der Region auf Shell MIDEL setzen, zählen unter anderem JEPCO in Jordanien, MEW in Kuwait, ADMA OPCO und ZADCO in Abu Dhabi sowie Qatar Petroleum in Katar. Nach Angaben des Herstellers sind in der Region bislang mehr als fünf Millionen Liter Estertransformatorflüssigkeit im Einsatz. Wie eine solche Festlegung auf Versorgerseite aussieht, beschreibt der Beitrag zum Verteilnetz in Amman.
Was deutsche Betreiber daraus mitnehmen
Die Übertragung auf hiesige Verhältnisse liegt weniger bei der Temperatur als bei der Anlagenart. Raffinerien, Tanklager, Chemieparks und Anlagen nach Störfall-Verordnung haben dieselbe Grundfrage: Wie hält man eine Zündquelle mit mehreren tausend Litern brennbarer Flüssigkeit aus einem Bereich heraus, in dem ohnehin explosionsfähige Atmosphären auftreten können? Eine Flüssigkeit der Brandklasse K löst das Problem an der Quelle statt über zusätzliche Löschtechnik. Mehr dazu unter Brandschutz und Industrie.
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