Manche Transformatoren enthalten noch Flüssigkeiten, die vor Jahrzehnten als Fortschritt galten und heute ein Entsorgungsproblem sind. Ein Kraftwerksstandort in Texas hat acht solcher Einheiten innerhalb eines Sommers umgestellt – ausgelöst nicht durch einen Ausfall, sondern durch zwei undichte Dichtungen.
Ausgangslage: acht Einheiten aus dem Jahr 1984
Entergy ist ein US-Versorger mit Sitz in New Orleans und versorgt rund drei Millionen Kunden in Arkansas, Louisiana, Mississippi und Texas. Am Kraftwerksstandort Sabine in Orange, Texas, standen acht Transformatoren von Westinghouse aus dem Baujahr 1984, jeder mit 750 kVA. Alle acht sollten bis 2024 ohnehin außer Betrieb gehen.
Als Isolierflüssigkeit diente Wecosol, eine Transformatorenqualität von Tetrachlorethen, auch Perchlorethylen genannt. Die Flüssigkeit wurde seinerzeit als Ersatz für PCB eingeführt. Nach einigen Betriebsjahren stellte die US-Umweltbehörde EPA jedoch erhebliche Toxizitätsprobleme fest. Seither ersetzen Betreiber mit eigenem Umweltanspruch diese Füllungen durch biologisch abbaubare Alternativen.
Der Auslöser: zwei Lecks bei der Routinewartung
Im Mai 2022 entdeckte der Umspannwerksdienstleister Southern Power Systems aus Baton Rouge bei einer Routinewartung Undichtigkeiten an zwei der acht Einheiten. Wegen der Umweltgefährdung durch die Flüssigkeit ordnete die interne Sicherheitsabteilung von Entergy an, alle acht Transformatoren unverzüglich zu entleeren, zu reinigen und neu zu befüllen – nicht nur die beiden auffälligen. Die Entleerung, Reinigung und fachgerechte Entsorgung der toxischen Flüssigkeit übernahm ein spezialisierter Dienstleister, die Wiederbefüllung mit natürlichem Ester der Umspannwerksdienstleister.
Die Flüssigkeitsauswahl wurde im Projekt noch geändert
Ursprünglich hatte Entergy für die Nachfüllung einen anderen natürlichen Ester spezifiziert. Nach Durchsicht der technischen Daten und der Referenzen sowie nach Rücksprache mit dem ausführenden Dienstleister entschied sich der Betreiber stattdessen für Shell MIDEL eN 1215, einen natürlichen Ester auf Sojabasis. Der ausführende Betrieb ist Shell MIDEL Service Partner und hatte entsprechende Erfahrung mit dem Umgang und den Verfahrensschritten; zusätzlich stand die technische Unterstützung des Herstellers zur Verfügung. Die Umstellung fand im Sommer 2022 statt.
Was natürliche Ester in dieser Lage leisten
Für einen Austausch, der von der Umweltseite her getrieben ist, sind die Eigenschaften eindeutig:
- Brandklasse K nach IEC 61100 mit einem Brennpunkt über 300 °C statt rund 170 °C bei Mineralöl.
- Leichte biologische Abbaubarkeit – der entscheidende Unterschied zu der abgelösten chlorierten Flüssigkeit.
- Hohe Feuchtetoleranz, die das Isolierpapier länger in gutem Zustand hält.
- Prüfung und Spezifikation nach DIN EN 62770 für natürliche Ester, ergänzend DIN EN 61099 für die synthetische Produktlinie.
Der deutsche Bezug
Hierzulande wirkt derselbe Mechanismus über die Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) und über die Auflagen in Wasserschutzgebieten. Wer dort einen Transformator betreibt, muss Rückhaltung, Überwachung und Prüffristen an der Wassergefährdungsklasse der Füllung ausrichten. Eine biologisch abbaubare Flüssigkeit verschiebt diese Anforderungen spürbar – der Hintergrund dazu steht auf unserer Seite zum Umweltschutz.
Wichtig bleibt, vor der Umstellung die Werkstoffe im Transformator zu prüfen. Welche Dichtungen, Lacke und Papiere mit den natürlichen Estern verträglich sind, haben wir im Beitrag zur Materialverträglichkeit von Shell MIDEL eN 1204 und eN 1215 zusammengestellt. Der Ablauf einer Umstellung selbst ist unter Retrofilling beschrieben.
Wenn in Ihrem Bestand noch Einheiten mit alten Sonderflüssigkeiten oder mit PCB-Restgehalten stehen: Wir bewerten Analysenergebnisse, klären die Entsorgung und rechnen Ihnen Umstellung gegen Ersatzbeschaffung durch. Schreiben Sie uns.