Auflagen von Versicherern haben eine unangenehme Eigenschaft: Sie beschreiben ein Ziel, nicht den Weg dorthin. Wie unterschiedlich die Wege ausfallen können, zeigt der Fall eines großen Energieverteilers in der kanadischen Provinz Quebec.
Die Ausgangslage
Der Versicherer forderte, eine Umspannstation an einem städtischen Standort zu überprüfen. Zwei mineralölgefüllte Transformatoren mit 25 kV und 6,9 kV standen unmittelbar neben dem Gebäude, in dem die übrige Stationstechnik untergebracht ist – einschließlich der kritischen Schaltanlage. Nach Auffassung des Versicherers waren bauliche Änderungen nötig, damit die Station den aktuellen bau- und brandschutzrechtlichen Anforderungen entspricht.
Zwei Vorschläge, ein deutlicher Unterschied
Ein Ingenieurbüro begutachtete den Standort und legte zwei Varianten vor:
- Brandwand zwischen Gebäude und Transformatoren. Die teurere Variante – und technisch nicht ohne Folgen: Die Wand hätte die Verbindung zwischen den Transformatoren und den übrigen Anlagenteilen der Station erschwert.
- Austausch der Isolierflüssigkeit. Ersatz des Mineralöls in beiden Transformatoren durch eine schwer entflammbare Flüssigkeit, also Retrofilling.
Der Betreiber entschied sich für den Flüssigkeitstausch mit Shell MIDEL eN 1204. Ausschlaggebend war neben dem Brandverhalten der Pourpoint von −31 °C, der den natürlichen Ester für kalte Standorte geeignet macht. Damit entfielen die hohen Kosten für den Umbau und die Beeinträchtigungen durch eine größere Baustelle auf dem Gelände.
Der Ablauf vor Ort
Die Umstellung dauerte zwei aufeinanderfolgende Tage – gegenüber mehreren Wochen Bauzeit für eine Brandwand:
- Das Mineralöl wurde abgelassen und zur Aufbereitung in die Werkstatt des ausführenden Betriebs gebracht.
- Wicklungen und Kessel wurden mit Shell MIDEL Flüssigkeit gespült, die Spülflüssigkeit anschließend vollständig entfernt.
- Danach erfolgte die Befüllung mit Shell MIDEL eN 1204.
- Ein qualifizierter Shell MIDEL Service Partner setzte eine Filteranlage ein und führte den Flüssigkeitswechsel bei etwa 70 °C durch – der Temperaturbereich, der sich dafür bewährt hat.
Die Produktionsausfälle blieben entsprechend gering, und die Transformatoren erfüllen seither die brandschutztechnischen Anforderungen des Versicherers.
Was der Vergleich zeigt
Die beiden Varianten unterscheiden sich nicht nur im Preis, sondern in der Art des Eingriffs. Eine Brandwand ist eine dauerhafte bauliche Veränderung, die Zugänge, Kabelwege und spätere Instandhaltung beeinflusst – im geschilderten Fall hätte sie genau die Verbindungen erschwert, die den Betrieb der Station ausmachen. Der Flüssigkeitstausch dagegen verändert nichts an der Anlagenanordnung; er setzt an der Ursache an, nämlich an der brennbaren Füllung. Wer beide Wege gegenüberstellt, sollte deshalb nicht nur die Angebotssummen vergleichen, sondern auch, was nach Abschluss der Maßnahme baulich fest steht.
Warum das auch hier funktioniert
Der Abstand zwischen Transformator und Nachbarbebauung ist in deutschen Stationen genauso häufig das Problem. Wo der Abstand nicht vergrößert werden kann, lässt ihn die Umstellung auf eine Flüssigkeit der Brandklasse K nach IEC 61100 in einem anderen Licht erscheinen – IEC 61936 knüpft die Aufstellbedingungen ausdrücklich an die Flüssigkeit. Wie das gegenüber einem Versicherer belegt wird, zeigt auch der Fall GSK Montrose.
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